Es ist unübersehbar, dass die heutige Gesellschaft in eine tiefe Identitätskrise hineingerutscht ist. Mag sich dies im bürgerlichen Lager als diffuses Unbehagen an der digitalen Moderne artikulieren, spricht der flagrante Terrorismus eine unmissverständliche Sprache. Aber weil die politischen Beobachter dies an politische Ideologien zu knüpfen bestrebt sind, wird leicht übersehen, dass man es im wesentlichen mit einem Jugendphänomen zu tun hat. Denn zwei Drittel der Terrorverdächtigen haben, weil jünger als achtzehn Jahre, noch nicht einmal die Strafmündigkeit erreicht. Der Politikwissenschaftler Florian Hartleb, dessen Räsonnement mit der Frage des Populismus begann, wurde auf dieses Phänomen aufmerksam, als er im Jahr 2016 zum Gutachter des Terrorismusfalls am Münchner Olympia Einkaufszentrum bestallt wurde. Dies war für ihn insoweit erhellend, als dieser Fall die überkommenen Deutungsschemata außer Kraft setzte: Denn der Mörder, der mit Hilfe eines gefälschten Facebook-Accounts (der eine attraktive junge Frau zeigte) neun Menschen mit Migrationshintergrund in eine Mac Donalds-Filiale gelockt und getötet hatte, war selbst ein Deutsch-Iraner, der, um nicht mit den verachteten Türken verwechselt werden, sich den Namen David zugelegt hatte und sich in rassistischen Überlegenheitsphantasien entging. Es war das Aktenstudium dieses psychologisch verwickelten Falls, der Florian Hartleb tiefer in die Frage einsteigen ließ und ihn mit einem weitgehend unverstandenen Phänomen konfrontierte: dem jugendlichen Terrorismus,
Florain Hartleb, der als Politikwissenschaftler verschiedene Professuren innehatte, lehrt seit 2025 internationale Beziehungen an der Modul Universität Wien. Er schaut zudem auf eine wechselvolle Karriere im politischen Betrieb zurück, im Bundestag, beim Bundesverband der mittelständischen Wirtschaft, sowie in der Konrad Adenauer- und der Bertelsmann-Stiftung. Zudem war als Forschungsdirektor beim Europäischen Forschungsinstitut für Terrorismusbekämpfung und Konfliktprävention (EICTP) tätig.
Florian Hartleb hat veröffentlicht
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