Wenn ein so bizarres Phänomen wie das Task Masking, also die Vortäuschung von Geschäftigkeit, in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt ist, so kann man dies als einen Beleg dafür lesen, dass unsere Arbeitswelt, ganz unter der Hand, in ein Produktivitätstheater übergegangen ist. Und ganz offenkundig scheint das wesentliche Vermögen, das einem jungen Menschen hier abverlangt wird, in der Kompetenzsimulationskompetenz zu bestehen. Und weil unsereins, als Boomer, einer hoffnungslosen gestrigen Welt angehört, lag der Gedanke nahe, sich mit einem sehr viel jüngeren Menschen über diese Frage zu unterhalten. Dass mein Blick hier auf Andreas Hermwille fiel, hatte damit zu tun, dass er sich mit dem Phänomen des Loud Quitting beschäftigt hat (also der höchst geräuschvollen Performance, mit der ein junger Mensch vor den Augen seiner Social Media-Followerschar seine Trennung vom Arbeitgeber zelebriert) - und zudem, dass er, mit der Luhmannschen Systemtheorie im Gepäck, einen durchaus ausgenüchterten Blick auf die Verhältnisse besitzt – also genau das, was einen Organisationssoziologen auszeichnet.
Andreas Hermwille arbeitet als Soziologe und Journalist für die Organisationsberatung Metaplan. Er verantwortet das zu Metaplan gehörige Magazin Versus - für kritische Organisationspraxis und ist Co-Host des Podcasts "Der ganz formale Wahnsinn", den er gemeinsam mit Professor Stefan Kühl von der Universität Bielefeld betreibt. Studiert hat Hermwille in Bielefeld, für die Ausbildung zum Radiojournalisten war er unter anderem beim Deutschlandfunk.
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